En la Cama de Cura

En la Cama de Cura

Manchmal frage ich mich, ob mir Tokio gefällt, oder Japan, und wie ich das beurteilen kann, wo ich doch noch kaum etwas gesehen habe. Ich verlasse das Haus und gehe ziellos durch die Straßen und achte darauf, erst einmal nichts wahrzunehmen und möglichst weit zu kommen, bevor ich aufschaue und wieder einmal nicht weiß, wo ich bin. Meist erkenne ich weder die Häuser, noch die kleinen Parks. Auch nicht den Supermarkt an der Ecke oder das Hochhaus, das völlig irrational aus der Landschaft ragt.

Etwas verloren stehe ich an einer großen Kreuzung und fühle mich sehr wohl, denn aus diesem Grund reise ich doch, nicht mehr zu wissen, wo ich bin und dann auf einmal gar nicht mehr zu denken. Völlig fremd, wenn es das heute noch geben kann. Möglichst willkürlich entscheide ich mich für eine Richtung, in der unsere Wohnung liegen könnte. Ein Polizist vor mir leitet eifrig den Verkehr, verbeugt sich aufmerksam vor jedem Auto, das an ihm vorbeifährt. Ein ständiges Auf und Ab. Konditionierte Bewegungen des ganzen Körpers, lustig, aber auch rührend. Die Kabel der Stromleitungen als schwarze Schemen in der Abenddämmerung. Mystisch und altmodisch winden sie sich durch die ganze Stadt. Auch träge. Abhängigkeit unserer Zeit. Und doch fällt es leicht zu fantasieren: überirdische Kabel als Teil eines Ritus.

Plötzlich stehe ich am Wasser. Vor mir letzte Sonnenstrahlen und ein küssendes Pärchen. Furchtbar kitschig und schön. Dann Dunkelheit und viel Licht. Alles strahlt in der Schwärze. Automaten für Getränke und Zigaretten, viele kleine Läden und Laternen. Überall helle Punkte, die jetzt viel mehr zeigen als am Tag, unzählige Details: durchscheinende Vorhänge aus Bambus, ein einzelnes Kleid auf einer Wäscheleine. Abstrakte Strukturen an den Wänden, darüber Zeichen, die ich nicht verstehe. Banalitäten einer jeden Stadt, die ich in Tokio sehe, und die darum etwas Besonderes sind.


Sometimes I ask myself whether I like Tokyo, or Japan, and how I can judge this having seen barely anything so far. I leave the apartment and walk aimlessly through the streets and am careful about not perceiving too much in the first place and to go as far as possible before I look up and once again not know where I am. Often I neither recognise the houses, nor the small parks. Not even the supermarket at the corner or the skyscraper that irrationally rises up out of the landscape.

Somewhat lost, I am standing at a big crossroad and feel very comfortable, because that’s the reason why I’m travelling, not to know where I am anymore and then to not think at all. Absolutely alien, if this is still even possible today. As arbitrary as possible, I decide for one direction, in which our apartment might lie. A policeman in front of me eagerly manages the traffic bowing to every single car that passes by. A constant up and down. Conditioned body movements, funny, but also touching. The wires of the cabling as black silhouettes in the dawn. Mystical and old-fashioned, they wind their way through the whole city. Sluggish as well. Dependency of our time. And yet it’s easy to fantasise: celestial wires as part of a rite.

Suddenly, I stand at the seaside. Last sunrays ahead and a kissing couple. Terribly kitschy and beautiful. Then, darkness and light everywhere. Everything’s glowing in the black. Vending machines selling beverages and cigarettes, many small stores and lanterns. Bright spots all around showing much more now than during daytime. Countless details: transparent curtains made of bamboo, a single dress on the line, abstract structures on the walls. Above, signs that I don’t understand. Trivialities of each and every city, which I can find in Tokyo, and therefore are something special.