Elegies to Lessons learnt

Elegies of Lessons learnt

Manchmal scheint es schwierig, abstrakte Wahrheiten anzuerkennen. Zeit ist relativ. Und manchmal, wenn man beginnt, darüber nachzudenken, ist alles ganz einfach und real.

Es gibt hier in Phnom Penh ein Museum, das vormals ein Gefängnis war und noch früher eine Schule. Heute laufen Touristen durch die langsam verfallenden grauen Gänge der Gebäude und können sich über die jüngere Geschichte Kambodschas informieren, die übersättigt ist mit Grausamkeiten und Widersprüchlichkeiten des westlichen Einflusses. Während des Vietnamkrieges galt Kambodscha als eines der stabilsten Länder Asiens. Man versuchte die Kriegswirren unbeschadet zu überstehen. Im schwer zugänglichen Osten des Landes jedoch hatte der Vietkong ein Tunnelsystem errichtet, das der Belieferung des vietnamesischen Widerstandes galt, woraufhin die US-Luftwaffe die Gebiete bombardierte. Mindestens 200.000 Zivilisten starben und es wurde der Nährboden bereitet für den Einzug der Roten Khmer, die erst als Befreier gefeiert wurden und das Land dann innerhalb weniger Wochen ins Chaos stürzten.

Wenn man heute durch die Straßen von Phnom Penh geht, all die Märkte und Paläste sieht, kann man es sich schwer vorstellen: Beim Einmarsch der Roten Khmer lebten 2,5 Millionen Menschen in der Stadt, innerhalb weniger Tage, wurde ein Großteil auf das Land deportiert. 20.000 blieben übrig. Der Rest zur Zwangsarbeit auf Reisfeldern verdammt. Eine moderne Geisterstadt mit einer zum Gefängnis umfunktionierten Schule.

Gefängnis S-21. Heute sind in vielen der Räume nur ein Stahlbett zu sehen, ein kleiner Stahlkasten für Fäkalien, die Ketten, mit denen die Gefangenen an die Betten gefesselt waren, ein Bild mit dem Toten, der bei der Befreiung auf dem Bett vorgefunden wurde, hier und da eine Schaufel, eine Hacke etc., umfunktionierte Folterwerkzeuge, ganz unschuldig. Andere Zimmer zeigen tausende Bilder von Häftlingen, Frauen, Männer, viele Kinder. Sie blicken uns an und sind hier und sind doch tot und ihr Blick ist meist nicht ängstlich oder wütend oder verzweifelt, nur sehr müde, sehr erschöpft. Ein Augenaufschlag, ein Foto. Viele von ihnen wissen nicht, was mit ihnen geschehen wird. Ich weiß, dass sie sterben.

20.000 Inhaftierte, sieben Überlebende, etwa drei Millionen Tote in ganz Kambodscha, 30 % der Bevölkerung. Was ist Zeit? Auch für die beiden Überlebenden, die in ihrem ehemaligen Foltertrakt sitzen und Bücher verkaufen und Besuchern Auskünfte geben. Ort des Schreckens? Ort des Vergessens? Ort der Erinnerung? Wie lesen sie Sätze wie diesen: „Diverse Studien differieren in ihrer Einschätzung der Gesamtopferzahlen zwischen 740.000 und 3.000.000. Die meisten bewegen sich zwischen 1,4 Millionen und 2,2 Millionen, wobei als Todesursache zur einen Hälfte Exekutionen (so durch Erschießen, Erschlagen, Köpfen mit Feldhacken und Ersticken mittels Plastiktüten; Kleinkinder wurden an Bäumen zerschmettert) und zur anderen Hälfte Tod durch Nahrungsmangel und Krankheiten angenommen wird.“


Sometimes it seems difficult to accept abstract truths. Time is relative. And sometimes, when you start thinking about it, everything’s just simple and real.

There is one museum in Phnom Penh, which has formerly been a prison and before that a school. Today, tourists walk through the slowly deteriorating grey corridors of the buildings and can inform themselves about Cambodia’s younger history, which is saturated with cruelties and contradictions of the western influence. During the Vietnam War, Cambodia was said to be one of the most stable countries in Asia. They tried to overcome the war quarrels without harm. In the difficult to access east, however, the Vietcong built up a tunnel system aimed to procure the Vietnamese resistance whereupon the US air force bombarded those areas. At least 200,000 civilians had died and it nourished the move-in of the Khmer Rouge, who were initially cheered as liberators and pitched the country into chaos within a few weeks.

When you walk along the streets of Phnom Penh today and see all the markets and palaces, it’s hard to imagine how this is possible: With the invasion of the Khmer Rouge, 2.5 million people used to live in the city, within a few days the majority was deported to the countryside. 20,000 remained. The rested damned to slavery work on the rice fields. A modern ghost city with a school converted into a prison.

Jail S-21. Today, in many of the rooms you can only see a steel bed, a small steel box for excrement, the chains the prisoners were attached to the beds with, a shovel here and there, a hoe etc., converted torture instruments, purely innocent. Other rooms show thousands of pictures of prisoners, women, men, many children. They look at us and are there and yet dead and their gaze is mostly not frightened or angry or desperate, just very tired, very exhausted. A glance, a picture. Many of them don’t know what is going to happen to them. I know they will die.

20,000 prisoners, seven survivors, some three million dead all over Cambodia, 30 % of the population. What is time? As well for the two survivors who sit in their former torture chamber selling books and providing information to the visitors. Place of fear? Place of oblivion? Place of remembrance? How do they read sentences like this: “Diverse studies differ in estimating the total number of dead between 740,000 and 3,000,000. Most vary between 1.4 million and 2.2 million, whereupon the cause of death is expected to be executions for the one half (by shooting, striking dead, beheading with hoes and suffocating by means of plastic bags; small children were smashed to trees) and death by lack of food and disease for the other half.”