Siren Call

Siren Call

Alles ist im Moment sehr verschwommen und das Leben in einem kuriosen Zwischenraum, in dem es ruhig und sorglos vor sich hintreibt. Wir sind noch nicht weg oder unterwegs, aber auch nicht mehr hier, und so ist der Alltag mit einer seichten Melancholie durchzogen. Es ist kalt auf den Straßen von Tokio und ich kann nicht sagen, ob es Herbst ist oder Winter. Die Sonne steht am Himmel oder sie wird verdeckt von Wolken oder Nebel. Musik in den Ohren, steige ich in Züge und verlasse sie an jeder Haltestelle und gehe einige Minuten auf dem Bahnsteig auf und ab und sehe dreckige Werbebanner oder Baustellen oder bizarre Schattenspiele auf künstlichen Gesichtern. Blauen Abendhimmel und hereinbrechende Nacht, und ich weiß nicht, wie Zeit so schnell vergehen kann und wo sie denn bleibt. Warum nur fühlt sich die Nacht an wie der Tag? Das Ende des Sommers im Dezember und immer noch fallen Blätter. Leuchtende Lichtertafeln um mich herum. Ein großes, stummes Abschiedsfest und ich frage mich, warum ich diese seltsame Stadt schon vermisse.


At present, everything is quite blurry and life in a strange interspace in which it floats calmly and carelessly. We’re still not gone or on the way, but also not here anymore, so daily life is pervaded by a shallow melancholy. It’s cold on Tokyo’s streets and I cannot say whether it’s autumn or winter. The sun stands in the sky or it gets covered by clouds or mist. With music in my ears, I enter trains and leave them at every station and walk several minutes up and down the platform and see dirty advertising panels or building scenes or bizarre shadow plays on artificial faces. Blue evening sky and approaching night, and I don’t know why time passes by so fast and where it actually waits. Why on earth does night feel like day? The end of summer in December and the leaves still falling. Glowing light panels around me. A big, numb farewell party and I ask myself why I already miss this strange city.