Random Tears

Random Tears

Irgendwie hatten wir es kommen sehen und doch hatten wir dann keine Zeit, darüber nachzudenken oder es zu realisieren: Man geht, nach all der Zeit. All die Momente waren komprimiert und jedes Erlebnis wurde zu einem Augenblick. Die Wiederkehr aus Hiroshima und Kyoto, das Wiedersehen nach nur einer Woche, Farewell, euphorisiert und elektrisiert und die Luft in den Clubs voller Blitze und statischer Ladung, und wir alle waren eingehüllt in eine blau leuchtende Aura, und alle waren wir groß und gleichzeitig klein – in der dröhnenden Umgebung – und alle waren wir heilig. Und im nächsten Moment dann schon die Fahrt in der Bucht von Tokio. Menschen und mehr Menschen und Bier und diese Wahnsinnsstadt um uns herum, die noch einmal all das zeigte, was wir an ihr lieben: Lichter und Schatten und Gold auf dem Wasser und Dreck auf dem Wasser, und alles ist ein Widerspruch, der keinen Platz hat in dieser Welt. Alles ist bedeutungslos und alles ist Zen und alles ist Glück. All die Freunde um uns herum, die wir schon in diesen Stunden vermissten und die für uns immer verbunden sind mit Japan.

Alles wurde zu dieser leuchtenden Spur, die am Flughafen endete und uns mit sich zog und so einnahm, dass man erst im Flugzeug – langsam – merkte, was wir zurücklassen. 20 Stunden in Moskau, Warten und Denken. Wo sind wir und wo wollen wir hin? Und dann Berlin und alles im Rausch, wie benebelt von Erinnerung und Zeit. Deutsch am Flughafen und Deutsch im Bus und Deutsch im Zug nach Hause. Unsere Muttersprache und es fällt schwer, sie zu verstehen, und man muss alles von Neuem lernen. Wann verstehen wir das Leben und können aufhören, das Leben zu lernen?

Die Landschaft auf dem Weg seltsam platt, vor dem Urknall ist alles leer und so sieht es hier aus. Oder die Zeit ist auf einmal explodiert und alles wartet auf ein Fortschreiten oder den Neubeginn. Auf den Gleisen. Eine Schwuchtel, die alles kommentiert und schreit und weint, sie fügt sich ein in die trostlose Landschaft vor dem Fenster und ich frage mich, wie ich das alles je wieder verstehen kann. Verlassene Bahnhöfe und entschleunigter Kapitalismus, wie ist das auszuhalten und warum schwimmt alles in Arroganz und Dummheit? Kein Schlaf seit vielen Stunden.

Und dann fährt der Zug weiter und wir sind da, wo wir herkommen und verstehen, was wir dann auch vermisst haben. Familien und alte Freunde. In letzter Zeit überall Menschen, die wir lieben, manchmal ist es so einfach. Und die letzten Meter ist da diese Melancholie, die man erst entdeckt, wenn man die Langsamkeit entdeckt und man spürt diese leise Traurigkeit und weiß um ihre Lächerlichkeit. Vielleicht sind gerade diese Tage und Wochen und Monate und das Jetzt unsere beste Zeit und was soll denn noch kommen, wenn man einmal glücklich ist?


Somehow we could see it coming and yet we had no time to reflect on it or to realise it: We are leaving, after all this time. All those moments were compressed and every experience became a moment. The return from Hiroshima and Kyoto, the reunion after only one week, farewell, tense and electrified, and the air inside the club full of flashes and electrostatic charging and we were all covered in a blue glowing aura and we all were tall and short at the same time – within that noisy environment – and we all were sacred. And in the next moment already, the Tokyo bay cruise. People and more people and beer and this incredible city around us showing once more everything we love about it: lights and shadows and gold on the water and dirt on the water, and everything’s a contradiction with no place in this world. Everything’s meaningless and everything’s Zen and everything’s luck. All the friends around us, who we already missed in these hours and who will always be connected to Japan for us.

Everything became this gleaming trace ending at the airport and dragging us with it and involving us so much that we just realised on the airplane – slowly – what we are leaving behind. 20 hours in Moscow, waiting and thinking. Where are we and where do we want to go? And then Berlin and everything in a rush, like bleary from memory and time. German at the airport and German on the bus and German on the train home. Our mother tongue and it’s difficult for us to understand it, and you have to learn everything from the scratch. When will we understand life and can stop learning life?

The landscape on the way strangely flat, before the big bang everything’s empty, and that’s how it looks here. Or time has just exploded and everything’s waiting for progression or the restart. On the tracks. A poof commenting on everything and screaming and crying, he fits in the bleak landscape in front of the window and I wonder how I will ever be able to understand this again. Abandoned train stations and de-accelerated capitalism, how can you bear this and why is everything soaked in arrogance and ignorance? No sleep for many hours.

And then the train drives on and we arrive at where we come from and understand what we’ve also missed then. Families and friends. People all over lately, that we love; sometimes it’s that easy. And on the last meters there is this melancholy that you discover just when you discover the slowness and you feel this quiet sadness and know about its ridiculousness. Perhaps especially these days, weeks and months and the now are our best time and what is there to come when you’re happy once?