Dada-Devil

Dada-Devil

Man kennt das ja mittlerweile: Man steht in einem japanischen Club, Cuba Libre in der einen Hand, Bier in der anderen, Kamera um den Hals und schaut sich die Bands an. Alle sind sie perfekt gestylt, kein Zweifel, wahre Rockstars. Lederjacke, Schminke, gegelte Haare. Energetisch bringen sie das Publikum auf ihre Seite. Junge Frauen sind der Ohnmacht nahe, junge Männer blicken gen Himmel, zu ihnen empor, den gottgleichen Gestalten. Und auch wenn mir diese Szenerie nur allzu bekannt erschien, säten sich Zweifel, die in meinem Kopf wuchsen und bald aus mir empor sprossen, so dass ich mich genötigt sah, das Eindeutige zu hinterfragen. Ich blickte mich um: Menschen, die sich unterhielten, Pärchen die sich gelangweilt ansahen, Mädchen, die in der Panik eines epileptischen Anfalls ihre Körper nach vorne gen Bühne warfen, zurückschwangen und ihre Köpfe im Rhythmus der Drums in alle Richtungen wirbelten.

Alles schien normal und doch war da ein Gefühl des Surrealen, etwas in der Luft, etwas Großes, etwas Futuristisches, etwas Genialistisches. Es wurde dunkler, das Licht entschwand und auf der Bühne erschien der Teufel und lud mit seiner Band zum Totentanz. Ein dicker japanischer Teufel mit angestecktem Schwanz, der sich arrhythmisch bewegte. Ein dadaistischer Totengott, auferstanden aus den Ruinen der Vergangenheit, nicht singend, sondern wütende Beschwörungen schreiend. Einen tief grollenden, unheilvollen Ton hervorbringend: „OhhhhhhhhhhhAhhhhhhhhhhhhhh“, einen langgezogenen Fluch, ein Geräusch aus den Tiefen der Unterwelt. Als die Vorstellung beendet war, und sich die Welt wieder ihrer Beliebigkeit ergab, blieb nur die eine Gewissheit: Der Teufel folgt uns überall hin.


You sort of get used to that: You are in Japanese club, rum-coke in the one hand, beer in the other, camera around the neck and watching bands. Everyone’s perfectly styled, no doubt, true rock stars. Leather jacket, make-up, gelled hair. They energetically bring the audience on their side. Young women are close to faint, young men gaze to the sky, towards them, the god-like beings. And even of this scenery appeared to me way too normal, doubts were sowed which grew inside my head and soon ascended so that I saw the need to question the definite. I took a look around: People who talked to each other, couples that gazed at each other bored, girls that, in the panic of an epileptic seizure, threw their bodies ahead towards the stage, swung back and whirled their heads in all directions to the rhythm of the drums.

Everything seemed normal and yet there was a feeling of the surreal, something in the air, something big, something futuristic, something ingenious. It got darker, the light vanished and the devil appeared on stage and invited everyone to the dance of the dead. A big Japanese devil with a tail attached moving arrhythmically. A Dadaist deathgod, risen from the ruins of the past, not singing but screaming angry summons. Breeding a deeply thunderous, malign tone: “OhhhhhhhhhhhAhhhhhhhhhhhhhh“, a sustained curse, a noise from the depths of the underworld. When the performance ended, and the world surrendered to its triviality again, only one certainty remained: The devil follows us everywhere.