KR – Shake it, Baby

KR - Shake it, Baby

Ein Handtaschenladen im Reichenviertel Tokios. „Was für ein Scheiß!“, denkt sich Kommissar Riemenschneider. Diese strunzhässlichen Scheißtaschen kosten ja so viel wie ein Kleinwagen. Seiner Frau würde er so etwas niemals kaufen, höchstens für über den Kopf. Was er hier tut, weiß er nicht, deswegen verlässt er den Laden gereizt. Auf der Straße wird er von einem pickligen Japaner angesprochen, der ihn über Hautpflegeprodukte ausfragen will. Mit einem gezielten Hieb zerschmettert der Kommissar das ohnehin schon entstellte Gesicht des spätpubertären Jugendlichen. Was für eine Genugtuung: In Japan hat es Kommissar Riemenschneider wahrlich nicht leicht. Immer dann, wenn er kurz vorm Zuschlagen ist, tauchen die flinken Gesellen in einer geschickten Verbeugung nach unten ab und entschuldigen sich tausendmal für irgendetwas, das nie stattgefunden hat. Aus Mitleid lässt der Kommissar dann immer die Faust elegant in seine Jackentasche schwingen.

Von der gegenüberliegenden Straßenseite des Taschenladens vernimmt Kommissar Riemenschneider Frauenschreie, so gell wie die seiner Frau, wenn er mit schmutzigen Schuhen die Wohnung betritt. Ein Mann läuft, mit einer Kamera bewaffnet und wie von der Tarantel gestochen, von der Frau weg. Kommissar Riemenschneider versucht, die Verfolgung aufzunehmen, muss aber schnell aufgeben. Der Alkohol und das Passivrauchen haben ihn mit zunehmendem Alter exponentiell zermürbt. Völlig erschöpft schlurft er zurück zu der Frau, die sich, starr vor Angst, noch keinen Millimeter bewegt hat. Unter Röcheln und Kehlen beginnt Kommissar Riemenschneider die Befragung. Er redet sich geradezu in einen Rausch und deutet das Schweigen der Frau als stille Bewunderung seiner polizeilichen Fähigkeiten. Nach einer halben Stunde nervt ihn jedoch ihr Schweigen. Er beginnt sie zu wie wild zu schütteln, denn nein, eine Frau würde er nie einfach so zusammenschlagen. Als die Passanten beginnen, sich um dem ungleichen Paar zu versammeln, realisiert Kommissar Riemenschneider wieder, dass er sich in Japan befindet und die Frau seine investigatorischen Fragen auf Deutsch wohl nicht verstanden hat. Er lässt sie los, worauf sie einfach nach hinten umkippt. Mit letztem Blick unter den Rock der Frau macht sich Kommissar Riemenschneider aus dem Staub, als ihm plötzlich ein Licht aufgeht. Höschen, Kamera – ein Höschenfotograf. Davon hatte er gehört und er verabscheut solche Leute zutiefst. Urlaubserinnerungen holen ihn ein.


A handbag store in the Tokyo’s posh district. “What a bullshit!”, Commissioner Riemenschneider thinks. Those freakin’ ugly shitbags cost as much as a small car. He would never buy such a thing for his wife, to cover her head at the most. He doesn’t know what he’s doing here, that’s why he leaves the store peevishly. On the street, a pimply Japanese wants to ask him questions about skin care products. With a targeted punch, the Commissioner smashes the already blemished face of the late-pubertal teenager. What gratification: Commissioner Riemenschneider is truly having a hard time in Japan. Always, when he’s about to punch, those briskly companions sag in a subtle bow and apologise a thousand times for something that has never happened. Out of sympathy, he then uses to elegantly let the fist swing into his pocket.

Commissioner Riemenschneider hears a woman screaming from the opposite side of the street, as shrill as his wife is when he enters the apartment with dirty shoes. A man gunned with a camera and as if stung by a bee, is running away from the woman. Commissioner Riemenschneider is trying to chase after him and has to give up soon, though. The alcohol and the passive smoking have exponentially worn him down with increasing age. Totally wasted, he crawls back to the terrified woman, who hasn’t moved one millimetre yet. Under stertorous breathing, he begins the interrogation. He is virtually talking in ecstasy and interprets the woman’s silence as silent admiration of his police capabilities. After half an hour however, her silence is getting on his nerves. He starts shaking her like crazy, because no way, he would never beat up a woman just like that. As the pedestrians begin to gather around the strange couple, Commissioner Riemenschneider realises again that he is in Japan and the woman probably didn’t understand his investigatory questions in German. He lets her go whereupon she just falls back. One last glance under her skirt and Commissioner Riemenschneider is hightailing it when, all of a sudden, it dawns on him. Panties, camera – a panties’ photographer. He had heard about that and such people repulse him. Holiday memories catch up with him.