Licht in Zeiten der Cholera

Licht in Zeiten der Cholera

Als der Minibus nach den nicht enden wollenden Serpentinen des vietnamesischen Hochlandes endlich die graue Nebelwand durchbrochen hatte, wusste ich, dass es gut war.

Die letzte Station in Vietnam ließ mich schließlich versöhnlich auf die vergangenen 20 Tage zurückblicken. Es folgten weitere Bustouren zu unchristlichen Zeiten. An der Grenze zu Laos ging ich für ein Passfoto in die Knie, weil der Grenzbeamte die Kamera nicht so hoch halten konnte. Besser ließen sich die Strapazen Vietnams nicht festhalten als in meinem Gesicht.

Nach weiteren Stunden im Bus erreichen wir Luang Prabang. Die Sonne brennt heiß auf die kleine Oase am Mekong. Ein großartiger Ort zu entspannen. Angefressene Reserven werden schnell mit Fruchtshakes, üppigem Essen und günstigem Bier aufgefüllt. Das i-Tüpfelchen auf der Cocktailkirsche auf der Schwarzwälder Kirschtorte ist für mich jedoch ein Wasserfall etwas außerhalb der Stadt. An der Seite klettere ich hoch, um an der Spitze so etwas wie Abgeschiedenheit zu erfahren. Fast instinktiv ziehe ich mich aus und nehme ein Bad im Höhenbecken. Entfesselte Lebensgeister lassen mich nach unten schweben.

Dort frage ich mich, wie Melodien entstehen. Sicherlich als Geistesblitz, doch genau so schnell verfliegen sie. Oder gar ein Orchester-Arrangement. Ein letzter Blick auf die Wasserorgel, deren Pfeifen als Rinnsäle an Felsen brechen und Melodien zu Fragmenten natürlicher Schöpfung fallen lassen, auf dass sie am Menschen vorbeirauschen und er nur hellhörig lauschen muss. Alles voller Wunder.


As the minibus had finally broken through the grey wall of mist after the endless serpentines of the Vietnamese highlands, I knew it was good.

The last station in Vietnam eventually got me looking back conciliatory to the passed 20 days. They were followed by further bus tours at ungodly hours. At the Laotian border, I kneeled for a pass photo as the border guard couldn’t hold the camera high enough. There was no better way of portraying the stresses and strains of Vietnam than in my face.

After some more hours on the bus, we reach Luang Prabang. The sun burns hot on the little oasis at the Mekong. A great place to recover. Pitted reserves are soon replenished with fruit shakes, opulent meals and cheap beer. The absolute highlight for me, however, is a waterfall somewhat outside the town. I climb up along its side to witness something like remoteness on the top. Almost instinctively, I undress and take a bath in the elevated pool. Unleashed animal spirits let me float downwards.

There I ask myself how melodies come into being. Surely as a flash of wit, but they disappear as quickly. Or even an orchestral arrangement. A last glance to the water organ whose pipes break onto rocks as runlets and let melodies fall to fragments of natural creation, so they whiz by the people who just have to eavesdrop clairaudiently. All full of miracles.