How I lost my Dignity, Part three

Im sozialleeren Raum lebt es sich ganz ungeniert, sollte man meinen. Aber auch der verschüchtertste, verschwiegenste, isolierteste oder Menschen abgeneigteste junge Mann muss mal vor die Tür.

Da wundert es niemanden, dass Tokio auch für diese Zielgruppe etwas zu bieten hat. Nein, im kollektiven japanischen Hamsterrad sollen wirklich alle mitlaufen. Und so gibt es eigens ein Stadtviertel für die härtesten aller Härtefälle: Akihabara.

Was hier auf den Europäer wie ein unfassbar niedlicher Mädchenstrich wirken muss, ist in Wirklichkeit nichts als ein harmloser Dienstmädchendienst. Auf den Straßen in kurzen Abständen aufgereiht und in alberne Kostümchen gepresst, das Lächeln gequält wie bei einer Wurzelbehandlung ohne Betäubung, so stehen sie da bei Wind und Wetter und verteilen Flyer, um ihr Maid-Café zu lobpreisen.

Dort treffen sie nun auf eben diese Männer, deren Vorstellung einer perfekten Frau aus Mangaheften und Animeserien herrührt. Um die Zeit, bis Roboter Frauen gefühlsecht ersetzen können, zu überbrücken, trauen sich die lichtscheuen Geschöpfe manchmal hinaus und nehmen derweil Vorlieb mit den aktuell roboterähnlichsten Frauen auf dem Markt, den Maids. Spaß, sogar ohne Knopfdruck, garantiert!

Mit „Meister“ werden die Männer hier empfangen, eine Bezeichnung, für die man hier gerne Geld ausgibt. Schnell einen Tee schlürfen und die Maid heranholen. Es folgt ein Monolog, bei dem sich die Sklavin um das Wohlergehen ihres Meisters erkundigt und echtes Mitleid für sein hartes Arbeitsleben hegt. Balsam für die geschundene Seele. Beim gemeinsamen Brettspiel kommt dann sogar so etwas wie Romantik auf. Die Maid verliert und kann ihre Freude über den verdienten Sieg des Meisters einfach nicht unterdrücken. Für einen kurzen Moment missachtet sie die Etikette, offenbart ihre schiefen Zähne in einem euphorischen Lächeln, dazu ein Kichern, welches das Trommelfell eines jeden Westlers zum Bersten brächte, und gekünstelter Applaus.

Und dann erkennt der Meister, dass es sich hier weder um seine perfekte Frau aus dem Manga handelt, noch dass die Bezeichnung ‚Meister’ in der Welt außerhalb des Cafés in irgendeiner Weise mit ihm in Zusammenhang gebracht würde. Er kauft sich einen neuen Manga und geht nach Hause. Die Würde dieser Stadt scheint verloren…


There is enough space to live unabashedly in the socially empty room, one could believe. But even the shiest, most silent, most isolated or most antipathetic young man has to leave his house sometimes.

Thus, nobody wonders that Tokyo has something to offer to this peer group as well. No, really everyone should take part in the collective Japanese rat race. That’s why there even is an own ward for the hardest of all hardship cases: Akihabara.

What must come across as an unbelievably cute girl’s hustling to a European, is nothing but a harmless servant girls’ service in reality. Lined up on the streets in proximity to each other and squeezed into silly little costumes, the smile tortured like at a root treatment without anaesthesia, so they stand there regardless of wind and weather conditions offering flyers to promote their maid café.

There, they meet just those guys whose imagination of a perfect wife stems from mangas and anime series. In order to kill the time until robots will be able to replace women sensitively, the shade-loving creatures sometimes dare to go out and take potluck with the current robot-like women on the market, the maids. Fun, even without pushing a button, is guaranteed!

The men are welcomed with “master”, a term for what one likes to spend money on. Quickly slurping a tea and calling the maid. A monologue follows in which the slave informs herself about the well-being of her master and bears some honest sympathy for his hard working life. Balm for the oppressed soul. However, as they start playing board games together, something like romanticism emerges. The maid loses and just can’t hold back her joy over the deserved victory of her master. For a short moment she neglects the etiquette, opens her mouth to a euphoric smile showing her crooked teeth; followed by some giggling which would cause every Westerners’ eardrum to burst, and artificial applause.

And finally the master realises that this is neither the perfect woman from his manga, nor that the term ‘master’ would carry any connection to himself whatsoever outside this café. He buys a new manga and returns home. The dignity of this city seems lost…


Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter: