SHT – Room 103

SHT - Room 103

Wer ist sie? Vielleicht existiert sie gar nicht. Bisher habe nur ich sie gesehen. Schemenhaft, da ich fremden Menschen morgens nicht in die Augen schaue.

Überhaupt sah ich sie nur am Morgen. Und dann am Tage, blockierten wir auch über Stunden die Küche in nicht enden wollenden Kochgelagen, bei denen es bisher noch jeden scheuen Bewohner aus dem Zimmerloch heraustrieb, um wenigstens der Notdurft nachgehen zu müssen, bleibt sie im Verborgenen, präsentiert ihr Antlitz noch nicht einmal der Nacht; auf stille Einsamkeit bedacht.

Wer ist sie also? Die personifizierte japanische Zurückhaltung? Die Mutter des „Ring“-Mädchens? Ein Fluch, der ihr jeglichen zwischenmenschlichen Kontakt unmöglich macht. Ein Blick, so tief wie der Brunnen, der in ihrem Zimmer das Unheil nährt. Ein Omen für eine bevorstehende Katastrophe oder zumindest einen Aufbruch. Der Beweis, dass die japanischen Geistergeschichten wahr sind.


Who is she? Maybe she doesn’t even exist. So far, only I have seen her. Apparitional, as I don’t look people in the eyes in the mornings.

I actually just saw her in the morning. And then, during the daytime, even we have been blocking the kitchen in interminable cooking feasts, which until now got every reclusive resident out of his room to follow nature’s call and visit the bathroom, she remained hidden, didn’t even present her countenance to the night; intent on quiet loneliness.

Who is she then? Japanese reservation in person? The mother of the “Ring” girl? A curse making every interpersonal contact impossible for her. A glance as deep as the font nurturing the evil in her room. An omen for an imminent catastrophe or at least a breakup. The proof that the Japanese ghost stories are true.